Wissen über Bipolare Störungen

Was bedeutet eine zusätzliche psychische Störung?

Viele Menschen mit einer bipolaren Erkrankung haben eine sog. komorbide Störung, also eine Erkrankung, die zusätzlich existiert. Die häufigsten komorbiden Erkrankungen sind:

  • Alkohol- oder Drogenmissbrauch: Alkohol- (bis zu 60%) oder Drogenmissbrauch (bis zu 50%) treten häufig zusammen mit einer Bipolaren Störung auf. Das heißt das 50% bis 60% der Betroffenen im Laufe des Lebens mindestens einmal unter einer zusätzlichen Suchtstörung leiden. Wenn eine Suchtstörung besteht, wirkt sich dies schlecht auf den Verlauf aus, u. a. mit häufigeren Episoden und häufigeren Krankenhausaufenthalten.
  • Angsterkrankungen: Angsterkrankungen sind psychische Erkrankungen, bei denen eine übergroße Angst das psychische Störungsbild bestimmt. Das Risiko, mindestens einmal im Leben an einer Angsterkrankung zu leiden, beträgt für Bipolarbetroffene etwa 70% bis 90%, wobei immerhin 20% bis 40% unter einer sog. Panikstörung leiden, also einer Variante der Angsterkrankung mit gehäuften Panikattacken. Ähnlich wie bei den Suchterkrankungen gilt: Werden diese komorbiden Erkrankungen nicht konsequent behandelt, verschlechtern sie den Verlauf und die Prognose der bipolaren Erkrankung.
  • Zwangserkrankungen: Zwangserkrankungen sind psychische Erkrankungen, bei denen ein zwanghaftes Denken und Verhalten das psychische Störungsbild bestimmt. Etwa jeder Fünfte mit einer bipolaren Erkrankung (20%) leidet zusätzlich an einer Zwangsstörung.
  • Persönlichkeitsstörungen: Persönlichkeitsstörungen sind psychische Erkrankungen, bei denen die Persönlichkeitsentwicklung des Betroffenen durch verschiedene Ursachen gestört wurde. Es resultieren Persönlichkeiten, die durch ihre starke Ausprägung eine Krankheitswert bekommen können, z. B. die sog. Borderline-Persönlichkeitsstörung. Etwa 50% der Menschen mit einer bipolaren Erkrankung sind betroffen.

Die oben genannten zusätzlichen Erkrankungen sollten auf jeden Fall mitbehandelt werden. Dies kann über eine spezielle Psychotherapie erfolgen, durch Gruppenangebote oder auch durch Anpassung der Medikation geschehen. Wenn Sie bei sich Veränderungen feststellen, wie z. B. auftretende Zwänge, oder Ängste auch unabhängig von akuten Erkrankungsphasen bemerken, so sagen Sie dies unbedingt Ihrem Therapeuten. Dieser kann hierauf eingehen und Sie daraufhin besser behandeln. In Anbetracht der oft direkten und teilweise massiven Auswirkungen eines Substanzmissbrauchs oder einer -abhängigkeit, soll auf dieses Problem speziell eingegangen werden.

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