Wissen über Bipolare Störungen

Welche Formen (Diagnosen) gibt es?

Der Begriff „bipolare Erkrankungen" zeigt schon, dass es sich dabei nicht um ein einheitliches Krankheitsbild handelt. Die Erkrankung zeigt sich in verschiedenen Formen und kann individuell sehr unterschiedlich sein. Die Phasen kommen unregelmäßig, sind mal kurz, mal lang, sie können nur einige Tage dauern, aber auch Monate oder sogar Jahre anhalten. Unbehandelt dauert jede Phase etwa sechs bis zwölf Wochen. Die Kenntnis dieser Phasen kann Betroffenen helfen, erneute Episoden frühzeitig zu erkennen bzw. sich besser auf die Erkrankung einzustellen.

Modelle zum besseren Verständnis der bipolaren Erkrankung

Phasen der Bipolaren Störung

Modell zum besseren Verständnis der Bipolaren Erkrankung

Bipolar-I-Störung

Bipolar-I-Erkrankungen sind durch ausgeprägte Manien und Depressionen charakterisiert. Der Betroffene hatte eine oder mehrere über mindestens eine Woche anhaltende Phase, in der die Kriterien für eine Manie erfüllt sind.
(ICD-10: F30 und 31)

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Die Bipolar-II-Erkrankung ist durch weniger ausgeprägte bzw. kürzer andauernde Manien, die sog. Hypomanien, und oft schwere depressive Episoden gekennzeichnet. Diese Form der bipolaren Erkrankung ist sehr wichtig aber auch sehr schwierig zu erfassen, da rückblickend die Hypomanien oft nicht als krankheitswertig erachtet oder erinnert werden. (ICD-10: F31.8)

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„Rapid Cycling bedeutet einen schnellen Wechsel der Episoden. Bei dieser speziellen Form der bipolaren Erkrankung treten innerhalb von zwölf Monaten mindestens vier (oder mehr) Episoden der Manie, der Hypomanie oder der Depression auf. Es werden drei Typen unterschieden:
Rapid cycling (ICD 10: F31.8) Mindestens vier Phasen pro Jahr (in ca. 20% der Fälle).
Ultra rapid cycling (ICD 10: F31.8) Phasenwechsel innerhalb von Wochen oder Tagen, mehr als vier Episoden pro Monat.
Ultradian cycling (ICD 10: F31.8) Phasenwechsel innerhalb eines Tages, an mehr als vier Tagen in der Woche. (ICD-10: F31.8)

Gemischte Episode

Bei den gemischten Episoden treten die Symptome der Manie und Depression in raschem Wechsel aufeinander auf oder sind gleichzeitig vorhanden. Die sich klassischerweise in dieselbe Richtung bewegende Hemmung (Depression) oder Erregung (Manie) emotionaler, kognitiver und psychomotorischer Prozesse sind bei den Mischzuständen nicht mehr vorhanden. Somit können zum Beispiel rasches Denken und Reden (wie in der Manie) gleichzeitig mit ängstlich-depressiver Stimmung vorkommen. Ein Mischzustand ist ein äußerst vielgestaltiges, teils schwer zu diagnostizierendes und schwerer behandelbares Krankheitsbild. (ICD-10: F31.6)

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Eine abgeschwächte Form der Bipolaren Erkrankung ist die sogenannte Zyklothymia oder zyklothyme Störung. Bei diesen Menschen finden sich oftmals fortlaufend über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren Stimmungsschwankungen stärkeren Ausprägungsgrades, wobei die Kriterien für eine Depression oder Manie im einzelnen nicht erfüllt werden und welche oftmals unabhängig von äußeren Einflüssen vorkommen. Die Übergänge sind jedoch sehr fließend, so dass bei Menschen, die mit der Verdachtsdiagnose Zyklothymia in eine Klinik oder Ambulanz kommen, oft eine Bipolar (-II) Störung festgestellt werden kann. (ICD-10: F34)

 

 

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