Therapie von Bipolaren Störungen

Wichtiges zur Entlassungsplanung

bildWenn sich Ihre Krise durch die stationäre Behandlung gebessert hat, ist es wichtig, eine Entlassungsplanung durchzuführen. Eine besondere Gefahr für einen manischen oder depressiven Rückfall besteht genau dann, wenn man zu früh entlassen wird oder wenn keine ausreichende Nachsorge organisiert ist. Viele Menschen mit einer Bipolaren Erkankung haben damit, vor allem, wenn sie das erste Mal behandelt werden, Schwierigkeiten. Hier benötigen Sie Unterstützung durch fundiertes Wissen, so dass Sie bei Ihrer Entlassungsplanung aktiv mitarbeiten können.

Auf den folgenden Seiten sollen folgende wichtige Fragen beantwortet werden:

  • Fühle ich mich psychisch ausreichend stabil?
  • Bin ich gut auf ein oder mehrere Medikamente eingestellt?
  • Sind alle körperlichen Erkrankungen abgeklärt und behandelt?
  • Sind alle sozialen Fragen geklärt?
  • Fühlen meine Familie und ich uns ausreichend informiert?
  • Mein Weiterbehandlungsplan und Therapiepass
  • Mein Wochenplan
  • Mein Krisenplan und Krisenpass

Fühle ich mich psychisch ausreichend stabil?

Eine psychische Stabilität ist immer relativ. Was für den einen kein Problem ist, kann für den anderen ein großes Problem sein. Psychische Stabilität bezieht sich nicht nur auf manische oder depressive Symptome, sondern auch auf andere Symptome, die bei Menschen mit einer Bipolaren Störung häufig vorkommen, z. B. Ängste, psychotische Symptome wie Halluzinationen oder Wahn, Anspannung oder Gedanken, sich etwas anzutun. Denken Sie daran, dass im Alltag nach der Entlassung wieder größere Belastungen auf Sie zukommen werden und die verbleibenden Symptome darunter zunehmen können.

Nachfolgend finden Sie drei Skalen, anhand derer Sie einschätzen können, wie psychisch stabil Sie gerade sind. Wenn Sie in den Skalen „Wie schwer schätzen Sie Ihre heutige Manie ein?“ oder „Wie schwer schätzen Sie Ihre heutige Depression ein?“ oder „Wie schwer schätzen Sie Ihre heutigen Ängste ein?“, einen Wert zwischen fünf und zehn angekreuzt haben oder wenn Sie in dem Fragenbogen zur subjektiven Befindlichkeit einen Wert von 60 Punkten oder weniger haben, sprechen Sie mit Ihren Therapeuten, ob der richtige Zeitpunkt für die Entlassung schon gekommen ist.

Wichtig ist auch, ob Sie schon die Gelegenheit hatten, Ihre psychische Stabilität zu Hause zu testen, z. B. bei Tagesbesuchen oder bei Übernachtungen zu Hause. Wenn dies bis jetzt noch nicht geschehen ist oder Sie sich das noch nicht zutrauen, sprechen Sie mit Ihren Therapeuten, ob ein erster Belastungsurlaub schon geplant ist oder wann Sie diesen versuchen könnten.

Denken Sie auch daran, dass psychische Stabilität sehr von der Tagesform abhängt. Verlieren Sie nicht den Mut, wenn Sie mal einen schlechten Tag haben, der nächste gute kommt bestimmt.

Schätzen Sie die heutige Schwere Ihrer Psychose ein

Wie fühlen Sie sich subjektiv?

Wie fühlen Sie sich subjektiv?

Sind alle körperlichen Erkrankung abgeklärt und behandelt?

Menschen mit Bipolaren Störungen haben durchschnittlich ein höheres Risiko, körperliche Erkrankungen zu bekommen. Dazu zählen insbesondere:

  • Herz-Kreislauferkrankungen wie z. B. Bluthochdruck, Tachykardie, Arteriosklerose etc.
  • Das sog. Metabolische Syndrom, also u. a. Übergewicht, erhöhte Blutfette (z. B. Cholesterin) und vergrößerter Bauchumgang
  • Diabetes mellitus
  • Schilddrüsenerkrankungen

Fragen Sie Ihren Arzt, ob es bei Ihnen einen Grund gibt, diese Erkrankungen abklären zu müssen (z. B. wegen Übergewicht) und wenn ja, ob sie schon abgeklärt wurden. Weisen Sie Ihren Arzt insbesondere darauf hin, wenn Sie unter Einnahme Ihres Medikaments gemerkt haben, dass Sie mehr essen oder sogar schon an Gewicht zugenommen haben. Falls eine zusätzliche körperliche Erkrankung bei Ihnen diagnostiziert wurde, besprechen Sie mit dem Arzt medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten und lassen Sie sich zu einem weiterbehandelnden niedergelassenen Arzt überweisen. Falls es sich um schwierige medizinische Probleme handelt, lassen Sie sich immer zu einem Spezialisten überweisen. Besprechen Sie auch, ob es alternative Behandlungsansätze gibt, z. B. Gruppenprogramme zur Gewichtskontrolle, Sport- oder Bewegungsgruppen, Diätberatung etc. Nehmen Sie das Problem ernst, bevor es zum ernsten Problem wird!

Sind alle sozialen Fragen geklärt?

Menschen mit Bipolaren Störungen haben häufig soziale Probleme. Dazu zählen u. a.:

  • Finanzielle Schwierigkeiten
  • Probleme mit Ämtern
  • Wohnungslosigkeit
  • Pflegedienstanträge
  • Probleme in der Universität
  • Beantragung von betreuten Wohneinrichtungen

Dementsprechend ist eine wichtige Aufgabe psychosozialer Hilfen, Ihnen und Ihrer Familie den Zugang zum Versorgungssystem im psychiatrisch-psychotherapeutischen und allgemein medizinischen und rehabilitativen Bereich zu ermöglichen.

Denken Sie daran, dass Sie alle wichtigen sozialen Probleme – erscheinen sie Ihnen auch noch so schwierig oder noch so unangenehm – mit dem Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen besprechen können, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Jedes ungelöste soziale Problem kann Sie wieder in einen größeren Stress bringen, der wiederum mit einer höheren Gefahr eines manischen oder depressiven Rückfalls verbunden ist. Fragen Sie auch nach weiterführenden sozialen Hilfen, da sich viele dieser Probleme (z. B. finanzielle Probleme) nicht von einem auf den anderen Tag lösen lassen.

Fühlen meine Familie und ich uns ausreichend informiert?

Noch immer besteht ein deutlicher Unterschied zwischen dem bestehenden Wissen über Bipolare Erkrankungen und dem Wissen, dass Menschen mit Bipolaren Erkrankungen und ihren Familien vermittelt wird. Für die Betroffenen und ihre Familien hat dies erhebliche Konsequenzen:

  • Betroffene können dadurch nur bedingt an der Behandlungsplanung und -gestaltung aktiv mitwirken.
  • Bei Fragen oder Problemen im Zusammenhang mit der Erkrankung geraten weniger aufgeklärte Betroffene leichter unter Stress als Informierte; die Gefahr von erneuten manischen oder depressiven Phasen steigt.
  • Nicht aufgeklärte Betroffene können nicht nach den wissenschaftlich besten Empfehlungen handeln, da ihnen diese nicht bekannt sind. Als Beispiel sei die Problematik genannt, die die Einnahme von Drogen für Bipolar Erfahrene mit sich bringt.

Es spricht also einiges dafür, dass Sie und Ihre Familie sich so gut wie möglich informieren. Hierzu gibt es wichtige Verhaltensweisen:

  • Fragen Sie Ihre Therapeuten, ob Sie mit Ihnen und Ihrer Familie persönliche Aufklärungsgespräche vereinbaren.
  • Besuchen Sie psychoedukative Gruppen.
  • Lassen Sie sich gute Informationsbroschüren oder Bücher über Bipolare Erkrankungen nennen. Achten Sie darauf, dass diese neueren Datums und leicht verständlich sind. Laden Sie entsprechende Broschüren von dieser Website herunter.
  • Lassen Sie sich gute Websites zum Thema Bipolare Erkrankung empfehlen.
  • Empfehlen Sie Ihrer Familie, eine Angehörigengruppe zu besuchen.
  • Fragen Sie immer nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Schreiben Sie Ihre Fragen auf.
  • Bilden Sie sich selbst eine Meinung und diskutieren Sie mit Ihrem Behandlungsteam.
  • Besuchen Sie eine Selbsthilfegruppe.
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