Therapie von Psychosen

Welche Therapien gibt es? – Ein Überblick

bildWenn eine Psychose vor allem eine tiefe Verunsicherung bedeutet, dann gehört es zur wesentlichen Aufgabe von Therapie, zu beruhigen, die mögliche Reizüberflutung zu begrenzen und atmosphärische Bedingungen zu schaffen, die eine Besinnung ermöglichen.

Dazu gehört dann auch, möglichst schnell eine persönliche therapeutische Beziehung zu etablieren, die bei der individuellen Orientierung wirksam helfen kann – durch die Spiegelung von Gefühlen, die Begrenzung von Verlorenheit und das langsame Erarbeiten von Souveränität.

Um die Reizüberflutung zu begrenzen, sind auch Psychopharmaka hilfreich. Doch ist vor allem die „Chemie" der therapeutischen Beziehung wichtig, deren Kontinuität und Flexibilität spielt eine Rolle, mehr noch als die angewandte Technik. Die therapeutische Beziehung ist die Basis der Medikation, nicht umgekehrt. Das gilt umso mehr, als die Psychose immer auch ein verzweifeltes Ringen um Autonomie signalisiert und das Fördern dieser Autonomie in einer haltenden Beziehung und im Kontext der Familie und der sozialen Beziehungen also zum Wesen der Psychosetherapie gehört.

Insofern macht es keinen Sinn, Krankheitseinsicht als Vorleistung zu betrachten und Compliance im Sinne einer Bereitschaft zur Kooperation als Unterwerfungsritual zu verlangen. Krankheitseinsicht ist zunächst einmal Aufgabe des Therapeuten, nicht abstrakt, sondern ganz konkret: Was hat diesen Menschen zu diesem Zeitpunkt und unter welchen Umständen dazu gebracht, psychotisch zu reagieren? Auf dieser Basis kann dann Kooperation wachsen – nicht einseitig, sondern gemeinsam ringend um den passenden Weg, vorsichtig balancierend zwischen Nähe und Distanz, Anpassung und Widerstand.

Zur Therapie von Psychosen stehen eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung. Wichtig ist, dass diese Therapien nach den individuellen Bedürfnissen des Betroffenen und seiner Familie aufeinander abgestimmt sind, also „integriert“ werden. Folgende häufig angewendete Therapien stehen zur Verfügung:

Medikamentöse Therapie

  • Die medikamentöse Therapie wird vor allem mit so genannten Antipsychotika, aber auch mit anderen Medikamenten durchgeführt.

Psychosoziale Therapien: Psychologische Einzel- und Gruppentherapien

  • Psychoedukation
  • Kognitive Verhaltenstherapie (VT)
  • Tiefenpsychologische Verfahren, Gesprächspsychotherapie
  • Suchttherapie

Andere Therapien

  • Familientherapie
  • Ergotherapie
  • Soziotherapie
  • Soziales Kompetenztraining (SKT)
  • Metakognitives Training (MKT)
  • Kunsttherapie
  • Tanztherapie
  • CogPack

Generell ist es wichtig, dass die Therapien so bald wie möglich begonnen werden sollten. Das gilt für die erste Psychose wie auch im Falle einer erneuten psychotischen Episode, also bei einem Rückfall. Die medikamentöse Therapie wird zumeist in Kombination mit psychologischen, sozialen und/oder anderen Therapien angewendet.

Auf den folgenden Seiten bekommen Sie einen Überblick über die wichtigsten medikamentösen und psychosozialen Therapien. Informieren Sie sich gut, so dass Sie zukünftig mitentscheiden können.

Zum Seitenanfang