Hilfen für den Alltag

Die Sucht beherrschen lernen

bildViele Menschen mit Psychose leiden neben der Psychose an einer zusätzlichen Suchterkrankung. Dies betrifft etwa 50–70% der jugendlichen und jungerwachsenen Menschen mit Psychose. Zumeist handelt es sich um einen Missbrauch bzw. eine Abhängigkeit von Cannabis. Nicht selten ist auch ein zusätzlicher Alkohol-, Amphetamin- oder Kokainkonsum. Damit haben Menschen mit Psychose im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein zwei bis fünffach erhöhtes Risiko an einer Suchtstörung zu erkranken.

Was sind die Ursachen für den Suchtmittelgebrauch?

Die genauen Ursachen für diesen hohen Konsum von Drogen und/oder illegalen Drogen bei Menschen mit Psychose ist nicht ausreichend geklärt. Allerdings existieren einige Fakten, die einen Zusammenhang beschreiben:

  • Die meisten Betroffenen beginnen den Alkohol- bzw. Drogenkonsum vor dem ersten Ausbruch der Psychose, häufig als Reaktion auf erste Anzeichen der Psychose (z. B. Gefühle von Depression, Angst oder soziale Isolation).
  • Der Beginn eines Cannabiskonsums vor dem 15. Lebensjahr geht mit einem mehr als 4fach erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Psychose einher.
  • Fortgesetzter Alkohol- und/oder Drogenkonsum nach Ausbruch der Psychose führt dazu, dass der Betroffene kaum eine Chance auf dauerhafte Heilung bzw. Gesundung hat, d. h. Halluzinationen oder Wahn bestehen fort oder kommen nach kurzen Episoden der Verbesserung wieder. Dies mindert die Chancen, die Lebensqualität zu verbessern bzw. die Erkrankung in den Griff zu bekommen.
  • Wenn Betroffene es schaffen, Ihre Sucht zu kontrollieren und abstinent zu leben, haben sie genau die gleichen Heilungschancen wie die Psychose Betroffenen, die nie ein zusätzliches Suchtproblem hatten!

Wenn bei Ihnen eine zusätzliche Suchterkrankung diagnostiziert wurde, müssen Sie sich diesem Problem so schnell wie möglich annehmen. Die Notwendigkeit entsteht aus der Beobachtung, dass sich Ihre Psychose ohne Alkohol- und/oder Drogenabstinenz weder kurz- noch langfristig bessern bzw. stabilisieren wird.

Auf dem Weg, ohne Suchtmittel klar zu kommen, gibt es allerdings zwei wesentliche Hindernisse

  1. bildViele Menschen mit Psychose haben zunächst keinerlei Motivation, ohne Drogen bzw. Alkohol zu leben.
  2. Zudem gehen viele Betroffene davon aus, dass Sie Ihr Suchtproblem ohne weiteres selbst in den Griff bekomme

Hier ein paar Tipps, wie Sie trotzdem klar kommen können

  • Nehmen Sie Hilfe an. Gehen Sie davon aus, dass Sie mit Hilfe eine höhere Chance für Suchtabstinenz haben als ohne.
  • Erkundigen Sie sich nach suchttherapeutischen Möglichkeiten und beginnen Sie eine Suchttherapie. Fragen Sie nach speziellen Suchttherapien für Menschen mit Psychose und Sucht. Zumeist handelt es sich dabei um eine Verhaltenstherapie in Einzel- oder Gruppenform.
  • Versuchen Sie mit dem Therapeuten Gründe für Ihre spezielle Verletzlichkeit gegenüber Drogen und/oder Alkohol zu erarbeiten. Das Verstehen dieser Zusammenhänge erleichtert es Ihnen, abstinent zu leben.
  • Gehen Sie davon aus, dass Sie langfristige Hilfe brauchen. Lassen Sie sich von Rückfällen, und seien sie auch noch so schwer, nicht unterkriegen. Wenn Sie an dem Problem arbeiten, werden Sie es auf jeden Fall irgendwann schaffen, ohne Suchtmittel klar zu kommen.
  • Schreiben Sie auf, was für und gegen den Drogenkonsum, bzw. für und gegen eine Abstinenz, spricht und suchen Sie sich einen Therapeuten, mit dem Sie Ihre Argumente besprechen können.
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