Hilfen für den Alltag

Den Tag planen und strukturieren

„Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen, ist alles andere ein Kinderspiel” (Goethe)

Viele Menschen mit einer Psychose oder Bipolaren Störung haben Probleme ihren Tage zu strukturieren. Sie stehen erst mittags auf, verbringen viel Zeit mit Fernsehen oder am Computer und treffen sich seltener als früher mit Freunden oder der Familie. So lässt man leicht den ganzen Tag verstreichen, ohne etwas zu erreichen oder zu verwirklichen. Bei manchen Betroffenen führt dies langfristig dazu, dass sie kaum noch das Haus verlassen und immer seltener soziale Kontakte aufnehmen.

Ein solches Verhalten kann eine Reihe von Ursachen haben:

  • Im Rahmen einer Psychose können Betroffene unter verschiedenen Symptomen leiden. Ein Symptomkomplex nennt man Negativsymptomatik. Dazu gehören Symptome wie Affektverflachung (Verarmung des Gefühlserlebens), Alogie (Spracharmut), Apathie/Abulie (Willenlosigkeit), Anhedonie (Depression), Aufmerksamkeitsstörung oder Asozialität (sozialer Rückzug). Diese Symptome können von Betroffenen zu Betroffenen unterschiedlich ausgeprägt sein und treten vor allem im Langzeitverlauf der Erkrankung auf. Allerdings gibt es auch Betroffene, die im Rahmen der Psychose nur unter solche Symptomen leiden und bei denen die typischen Symptome einer Psychose (=Positivsymptomatik) wie Halluzinationen oder Wahn nur selten bzw. gar nicht auftreten.
  • Bei Menschen mit Psychosen und Bipolaren Störungen können im Verlauf der Erkrankung depressive Phasen mit Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit, Antriebsarmut und sozialem Rückzug auftreten. Während bei Bipolaren Störungen die Depression zur Erkrankung dazu gehört, ist bei Psychosen weniger bekannt, dass viele Betroffene im Verlauf der psychotischen Erkrankung wiederholt unter Depressionen leiden.
  • Eine weitere Ursache kann sein, dass die Betroffenen noch unter aktiven psychotischen Symptomen leiden, d. h. dass jeder Kontakt zur Außenwelt mit einem höheren Stress verbunden ist und dementsprechend mit einer Verschlechterung oder Konfrontation der Psychose einhergeht.
  • Auch können Drogen oder Alkohol eine Rolle spielen. Gerade junge Betroffene mit Psychose oder Bipolarer Störung haben eine zusätzliche Cannabissucht, die auch ohne eine Psychose zu dem sog. Amotivationalen Syndrom führt, d. h. Betroffene ziehen sich zurück, verlieren die Motivation und den Antrieb ihren Tätigkeiten nachzugehen.
  • Im positiven Sinne kann ein solches Verhalten aber auch Selbstschutz sein, die Notwendigkeit auszuruhen und sich zu regenerieren. Hier ist die zeitliche Dauer ein wesentlicher Punkt.

bildWas kann man tun in einer solchen Situation? Die Art der Intervention bzw. der Behandlung richtet sich nach der Ursache. Die Ursache kann am besten im Gespräch herausgefunden werden, dementsprechend ist der erste Schritt, ein Gespräch mit dem Arzt oder Therapeuten zu suchen.

  • Handelt es sich um Negativsymptomatik, so sollte medikamentös ein sog. atypisches Antipsychotikum ggf. zusammen mit einem Antidepressivum ausprobiert werden. Zudem empfiehlt sich, vor allem wenn das Verhalten sehr ausgeprägt ist, eine stationäre und anschließend eine tagesklinische Behandlung um die Tagesstruktur wieder zu gewinnen.
  • Ist eine derzeitige Depression die Ursache, sollte medikamentös ein Antidepressivum eingesetzt werden. Zudem ist zu klären, ob die antipsychotische Therapie diesen Zustand mit verursacht hat, z. B. im Rahmen von sog. EPS. Tritt die Depression bei Betroffenen mit einer Bipolaren Störung auf, muss der Betroffene vor Beginn der antidepressiven Therapie auf ein sog. Phasenprophylaktikum eingestellt werden. Psychotherapeutisch ist bei beiden an eine verhaltenstherapeutische Behandlung zu denken.
  • Sind aktive psychotische Symptome die Ursache, so muss zunächst die antipsychotische Behandlung verbessert werden. Wenn diese Symptome schon längere Zeit bestehen und nicht ohne weiteres wie verschwinden, kann auch eine spezielle Psychotherapie zum besseren Umgang mit Wahn und Halluzinationen angewendet werden.
  • Sind Drogen oder Alkohol die Ursache sollte der Betroffene zu einer dementsprechenden Suchttherapie motiviert werden. Ist die Sucht sehr ausgeprägt kann zunächst eine stationäre Entzugstherapie erfolgen und im Rahmen dessen eine sog. Motivationale Suchttherapie begonnen werden.
  • Handelt es bei dem Verhalten um einen gesunden Rückzug und Selbstschutz zur Stressreduktion sollte der Betroffene unterstützt und regelmäßig weiter therapiert werden.

Generell kann es sehr hilfreich sein, jeden Tag zu planen und zu strukturieren. Dabei sollten Sie auf folgendes achten:

  • Sobald es Ihnen wieder besser geht und Sie weiter gesunden, wollen Sie so schnell wie möglich Ihren früheren Lebensstil wieder aufnehmen. Das ist verständlich! Sie müssen aber daran denken, dass die Genesung länger dauert und dass sie in kleinen Schritten und nicht in Riesensprüngen geschieht. Dies müssen Sie lernen zu akzeptieren. Deshalb, achten Sie darauf, dass alle Schritte in Ihrem Tempo geschehen und dass Sie Sich nicht überfordern.
  • Planen Sie Ihren Tag wenn möglich schriftlich - Schreiben Sie das „Drehbuch” des morgigen Tages!
  • Achten Sie darauf, dass Sie sich nicht zuviel vornehmen - Planen Sie Ihren Tag realistisch!
  • Sie müssen darüber entscheiden, welche Aufgaben
erstrangig und welche zweitrangig sind - Setzen Sie eindeutige Prioritäten!
  • Setzen Sie sich am Vortag mit den Aufgaben des nächsten Tages auseinander - Bereiten Sie sich mental auf den Tag vor!
  • Füllen Sie Ihren Tag nicht nur mit Pflichten, sondern auch mit Freizeit und Vergnügen - Geben Sie jedem Tag einen Höhepunkt! (privat oder beruflich)!
  • Der Mensch ist ein „Gewohnheitstier” - Beginnen Sie Ihren Tag möglichst zum gleichen Zeitpunkt!
  • Vergessen Sie nicht, Ihre medikamentöse und psychosoziale Behandlung fest in den Tag mit einzuplanen - Der Therapieplan gehört in den Tagesplan!
  • Freuen Sie sich auf den vor Ihnen liegenden Tag - Beginnen Sie Ihren Tag in guter Stimmung!
  • Nutzen Sie den nachfolgenden Plan, um alle wichtigen Termine zu planen und damit Ihren Tag und Ihre Woche zu strukturieren.

Mein Wochenplan

Bitte geben Sie im Plan an, welche, wann und wo Sie die ambulanten Therapien machen! Den Wochenplan können Sie auch mehrfach ausdrucken und immer wieder aktualisieren.

Mein Wochenplan

Zum Seitenanfang