Psychosen und Bipolare Störungen früh erkennen

Was sind Anzeichen für eine erhöhte Vulnerabilität?

bildVulnerabilität bedeutet Dünnhäutigkeit, Sensibilität, aber auch Verletzlichkeit. In diesem Zusammenhang kann auch – meist unspezifisch – das Risiko wachsen psychisch zu erkranken. Menschen mit einer erhöhten Vulnerabilität können in belastenden Lebensabschnitten mit psychotischen Symptomen reagieren. Die Anfälligkeit besteht bei jedem Menschen, ist aber möglicherweise erhöht, wenn ein oder mehrere „Vulnerabilitätsfaktoren” bestehen.

Vulnerabilitätsfaktoren sind z. B. eine genetische Belastung, wenn einer Ihrer nahen Angehörigen eine Psychose oder eine Bipolaren Störung hat; ein niedriger IQ, wenn Sie eine Verletzung oder schwere Infektion des Gehirns hinter sich haben; wenn Sie vor dem 15. Lebensjahr begonnen haben, Cannabis zu rauchen, oder wenn bei Ihnen Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen bestanden.

bildJeder Mensch durchläuft in seinem Leben stabile und weniger stabile Phasen, also Zeiten, in denen sich wenig verändert, und andere, in denen er neue Koordinaten finden und sich neu „verorten“ muss. Umbruchphasen sind z. B. Pubertät, Schulabschluss, Bindung an einen Partner, Geburt eines Kindes, Verlust eines nahestehenden Menschen, Verlust von Arbeit, Trennung usw. Wenn dann noch aktuelle Belastungen hinzukommen, kann für sehr dünnhäutige Menschen die Wahrscheinlichkeit zunehmen, psychotisch zu reagieren. Trotzdem kann durch die schützende Wirkung anderer Faktoren (z. B. gute soziale Einbindung, gutes Funktionsniveau, gute Bewältigungsfähigkeiten) der Ausbruch der Psychose ausbleiben, so dass eine Erkrankung nicht unausweichlich ist.

Da Krisen in diesem Sinne nicht wirklich zu vermeiden sind, ist es für sensible Menschen besonders wichtig, eigene, familiäre und soziale Ressourcen zu pflegen und ihr Repertoire an Entspannungs- und Bewältigungsstrategien auszubauen.

Beispiele von Vulnerabilitätsfaktoren

  • Genetische Belastung
  • Niedriger IQ
  • Verletzung des Gehirns in der Vorgeschichte
  • Unzureichende Versorgung im ersten bis dritten Lebensjahr
  • Maserninfektion der Mutter in der Schwangerschaft
  • Migration mit negativen Erfahrungen
  • Cannabiskonsum mit Beginn vor dem 15. Lebensjahr
  • Infektion des Gehirns in der Vorgeschichte
  • Schwere Infektion der Mutter im sechsten Schwangerschaftsmonat
  • Niedriges Geburtsgewicht
  • Sauerstoffmangel des Säuglings unter der Geburt
  • Frühentwicklungsstörungen (verspätetes Laufen und Sprechen)
  • Frühgeburt
  • Schlechte Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft
  • Introvertiertheit, Selbstbezogenheit, Beziehungsprobleme
  • Manifestation einer psychischen Störung im frühen Jugendlichenalter
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