Psychosen und Bipolare Störungen früh erkennen

Lernen Sie von anderen Betroffenen

Bevor Sie Genaueres über die Früherkennung von Psychosen erfahren, empfehlen wir Ihnen, die folgende zwei Fallbeispiele zu lesen. Daran kann man gut sehen, warum Früherkennung wichtig ist.

Daniel, Schüler, 17 Jahre

Daniel war 15 Jahre alt, als er erstmals über sein psychisches Befinden nachdachte. Seine Eltern hatten sich zwei Jahre zuvor getrennt, seitdem hatte er begonnen, sich immer mehr von seiner Mutter, seinen Schwestern und Freunden zurückzuziehen. Er hatte keinen Antrieb mehr, fühlte sich traurig und erschöpft und wollte „am liebsten nur noch allein sein“. Obwohl er ein „sportlicher Typ“ war, hatte er begonnen, jeden Tag Cannabis zu rauchen. In der Schule hatte er kaum noch Kontakt zu seinen Schulfreunden, zumeist blieb er allein oder bei „Kumpels, die auch kiffen“ und auch seine Leistungen wurden schlechter. Mit seiner Mutter, die sich von Beginn an besorgt zeigte, suchte er mehrfach seine Tutorin und einmal die Schulpsychologin auf. Diese beruhigten sie aber: Ein solches Verhalten könne nach Trennungen der Eltern und im Rahmen der Pubertät vorkommen. Um seine Mutter nicht noch mehr zu beunruhigen, hatte Daniel seinen Cannabiskonsum verschwiegen.

Kurz vor seinem 16. Geburtstag, nachdem er drei Tage durchgehend Cannabis geraucht hatte, hörte er dann erstmals eine Stimme. Gleichzeitig begann das Gefühl, andere Menschen würden ihn komisch anschauen, sie wüssten, dass jemand zu ihm spreche. Seiner Mutter fiel zu dieser Zeit erstmals auf, dass Daniel in seinem Zimmer mit sich selbst sprach und manchmal komisch lachte, ohne dass sie den Anlass verstand. Im Verlauf der nächsten zwölf Monate wurde sein Verhalten immer merkwürdiger und irrationaler. Zum Beispiel dachte er, dass andere Menschen genau wissen würden, was er denke und dass sie ihm die Gedanken „entziehen“ könnten.

Kurz nach seinem 17. Geburtstag hörte Daniel dann erstmals von dem Begriff „Psychose“. Seine Mutter hatte sich mit ihrem Hausarzt beraten, der andeutete, dass es sich bei Daniel um eine Psychose handeln könnte. Daniel und seine Mutter stellten sich daraufhin in der Früherkennungssprechstunde des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf vor.

Melissa, Studentin, 26 Jahre

Melissa stellt sich in der Früherkennungssprechstunde des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf vor. Melissa studiert seit vier Jahren Englisch und Geschichte auf Lehramt, als ihr erstmals auffällt, dass ihre schlechte Stimmung zum Dauerzustand geworden ist. Seit etwa einem Jahr fällt ihr das Studieren immer schwerer, die Vorlesungen besucht sie nur noch sporadisch, sie kann sich kaum noch konzentrieren und gut geschlafen hat sie schon lange nicht mehr. Stimmungsschwankungen kennt sie zwar schon seit früher Jugend, aber so lange und intensiv wie jetzt hat sie es noch nicht erlebt. Zurzeit hat sie aber auch viel Stress, wichtige Prüfungen stehen an und ihrer Mutter, die an einer manisch-depressiven Erkrankung leidet, geht es seit einem Jahr nicht gut. Vor etwa sechs Monaten, so berichtet Melissa, habe sie erstmals das Gefühl gehabt, dass die Mitstudenten über sie reden würden. Zunächst sei ihr das gleichgültig gewesen , dann hat sie aber das gleiche Gefühl auch bei fremden Menschen gehabt. Dieses Gefühl hat sich seitdem so verstärkt, dass sie kaum noch das Haus verlasse, ihr Telefon abgestellt habe und denke, dass in die Feuermelder in ihrer Wohnung Überwachungskameras eingebaut seien. Zwar kommen ihr diese Gedanken „total absurd“ vor, allerdings kann sie sich immer weniger von ihnen abgrenzen. Neulich, so berichtet sie, hätten die Feuermelder kontrolliert werden sollen, an diesem Tag hätte sie sich regelrecht in der Wohnung „verschanzt“ und niemandem geöffnet. Inzwischen ist sie so ängstlich, dass sie kaum noch schlafen kann. Zur Vorgeschichte berichtet sie, dass sie im Alter von 17 Jahren eine ähnliche, aber lange nicht so intensive Episode gehabt habe. Damals sei sie wegen Depressionen über zwei Jahre hinweg psychotherapeutisch behandelt worden, die Ängste, von anderen Menschen beobachtet und bedroht zu werden, kamen aber damals nicht zur Sprache.

Zum Seitenanfang