Psychosen und Bipolare Störungen früh erkennen

Warum Früherkennung von Psychosen?

bildPsychosen oder Bipolare Störungen treten in fast allen Fällen nicht abrupt auf, sondern beginnen allmählich, langsam und schleichend. Vor Beginn der ersten psychotischen Symptome bestehen zumeist über mehrere Jahre psychische und soziale Veränderungen wie Depression, Ängstlichkeit oder sozialer Rückzug. Der meist noch junge Mensch verhält sich „irgendwie merkwürdig“, er ist „einfach nicht mehr der alte“. Oft wird auch zunehmend deutlich, dass er seine bisherigen Rollen in Schule, Beruf, Partnerschaft und Familie nicht mehr erfüllen kann – es kommt zu einem sog. „Knick in der Lebenslinie“.

Leider kommen viele Betroffene erst mit großer Verzögerung in eine spezialisierte Behandlung. Im Durchschnitt verstreichen zwei bis fünf Jahre vom Beginn der ersten Symptome bis zur ersten Behandlung.

Folgende Ursachen können zu diesem verspäteten Behandlungsbeginn führen

  • Erste psychische Veränderungen im Rahmen einer Psychose werden nicht als solche erkannt und zum Beispiel der Pubertät, einem gleichzeitigen Gebrauch von Drogen oder Alkohol oder bloßer Faulheit oder Arroganz zugeschrieben.
  • Angehörige versuchen verständlicherweise, alle beginnenden psychischen und sozialen Probleme durch vermehrte Unterstützung zu kompensieren.
  • Bei Betroffenen und ihren Angehörigen besteht häufig ein Misstrauen gegenüber psychischen Erkrankungen und speziell gegenüber der Psychiatrie. Dementsprechend suchen sich Betroffene häufig zunächst „unpassende“ Hilfen, die die beginnenden psychischen Probleme nicht richtig einordnen können.
  • Das Wissen über Frühwarnzeichen einer Psychose im medizinischen aber teilweise auch im psychiatrischen/psychologischen Hilfssystem ist häufig nicht ausreichend, so dass klare Frühwarnzeichen übersehen werden können.

bildAlle diese Gründe sind nicht unverständlich. Normale und besondere Entwicklungskrisen sind nicht völlig zu trennen. Manche Menschen entwickeln sich auch ohne spezielle Hilfen beeindruckend. Und die Psychiatrie ist an den noch vorhandenen Vorurteilen nicht ganz unschuldig.

Dass Sie sich so früh wie möglich um eine angemessene Hilfe kümmern sollten, hat den Grund, dass ein verzögerter Behandlungsbeginn mit zahlreichen Konsequenzen verbunden sein kann – für die Erkrankung, für die eigene Lebensperspektive und für die Belastung der Familie. Wichtig zu verstehen ist aber, dass trotz dieser Konsequenzen der Behandlungserfolg maßgeblich durch andere Faktoren bestimmt wird, v. a. auch die Bereitschaft, an der Behandlung teilzunehmen. Auch nach langer Zeit ohne Behandlung kann Hilfe erfolgreich sein. Zu spät ist es für eine Behandlung nie. Um die Wege leichter zu machen, wünschen wir uns mehr Flexibilität – auf Seiten der Behandelnden.

Mögliche Konsequenzen eines verzögerten Behandlungsbeginns

... für die psychotische Erkrankung
  • Häufigere Suizidversuche bis zum Behandlungsbeginn
  • Erhöhtes Risiko für Suchtmittelgebrauch bis zum Behandlungsbeginn
  • Erhöhtes Risiko für Delinquenz bis zum Behandlungsbeginn
  • Größere Schwere der Symptome bei Behandlungsbeginn
  • Schlechtere Lebensqualität bei Behandlungsbeginn
  • Schlechteres Ansprechen auf Antipsychotika mit der Notwendigkeit höherer Dosierungen
  • Verzögerte und unvollständige Besserung der Symptome inklusive kognitiver Fähigkeiten
  • Geringere Bereitschaft zur Therapieteilnahme
  • Höhere Krankenhauswiederaufnahmerate
  • Schlechtere Prognose der Erkrankung
... für die Leistungsfähigkeit
  • Schlechtere Leistungsfähigkeit bei Behandlungsbeginn
  • Unterbrechung oder Abbruch der Schule, Unterbrechung oder Verlust des Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes
  • Beeinträchtigung der sozialen Entwicklung
  • Schlechtere Leistungsfähigkeit im Verlauf
... für Familie, Freunde und Kinder
  • Hohe psychische und soziale Belastung
  • Entwicklung von eigenen psychischen Störungen (z. B. sog. Anpassungsstörungen) aufgrund der Belastung
... für die Gesellschaft
  • Höhere Behandlungskosten
  • Höhere indirekte Kosten (z. B. durch Verlust der Arbeitsfähigkeit)

 

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