Wichtiges für Angehörige

Früherkennung für Angehörige – was tun?

bildIhnen als Angehörigen kommt eine ganz wesentliche Rolle im Rahmen der Früherkennung und Frühintervention von Psychosen zu, da Sie in der Regel als erster überhaupt mögliche Frühsymptome wahrnehmen. Ihnen als Mutter oder Vater können bereits sehr frühe Veränderungen auffallen, die Sie zunächst sicher auch ganz zurecht als vorübergehende und altersangemessene Krisen bewertet haben. Meistens sind diese Veränderungen bei Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter auch wirklich vorübergehend und kein Grund zur Sorge.

Wenn Sie allerdings über einen längeren Zeitraum hinweg Veränderungen beobachten, die Ihnen Sorge bereiten, insbesondere einen vermehrten sozialen Rückzug, eine depressive Stimmungslage, erhöhtes Misstrauen, vermehrte Anspannung und Reizbarkeit sowie Störungen der Konzentrations-, Lern- und Gedächtnisfähigkeit Ihres Kindes, kann die Vorstellung bei einem niedergelassenen Facharzt oder in einem der Früherkennungszentren empfehlenswert sein. Sie haben dann die manchmal schwierige, aber auch sehr wichtige Aufgabe, Ihren Angehörigen zu motivieren, die notwendigen Schritte einer diagnostischen Abklärung zu unternehmen. Als hilfreich erweist es sich, wenn Sie alle erdenklichen Hilfen anbieten, etwa für Ihren Angehörigen einen Vorstellungstermin vereinbaren oder eine Begleitung zum Termin anbieten etc.

Erste Anlaufstelle sind häufig Beratungslehrer und Beratungsstellen oder auch Hausärzte/-ärztinnen, Psychotherapeutinnen/-therapeuten und Fachärzte/-ärztinnen für Psychiatrie. Spezialisten für die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sind leider selten und häufig überlaufen. Wenn vor allem die Eltern besorgt sind, helfen auch manchmal spezielle Familien-Beratungsstellen, die Problemlage zu klären. Im Suchtbereich gibt es wiederum spezielle Anlaufstellen.

Die Institutsambulanzen der psychiatrischen Abteilungen und Kliniken sind unterschiedlich spezialisiert. Einige haben besondere Angebote für Ersterkrankte, wie z. B. die Früherkennungszentren, die häufig auch den Bereich Sucht und Psychose gut abdecken.

Die Einweisung in eine psychiatrische Klinik ist immer noch mit großer Angst behaftet. Auch wenn sich dort vieles zum Guten verändert hat, gibt es inzwischen viele Untersuchungen, die einer ambulanten Behandlung in ernsthaften Krisen den Vorzug geben. Die erste Aufnahme erhöht die Wahrscheinlichkeit der zweiten. Die Art und Weise des ersten Kontakts mit der Psychiatrie prägt die Behandlung nicht nur im quantitativen, sondern auch im qualitativen Sinn. Sprache und Beziehung entscheiden mit über die „Patientenkarriere“. Kontinuität reduziert die Zwangseinweisungsrate. Und der Ort der Erstbehandlung beeinflusst die Wahrscheinlichkeit späterer Aufnahmen. Vor allem die Skandinavier haben in diesem Zusammenhang die langfristig positive Wirkung des so genannten „Hometreatment“ („Zuhausebehandlung“) nachgewiesen.

Es ist an dieser Stelle nicht möglich, eine vollständige Übersicht zu geben, welcher Schüler oder welche Schülerin welchen Alters mit welcher Problematik an welcher Stelle am besten aufgehoben ist. Je nach dem ob z. B. Essstörungen oder Suchtprobleme, depressive oder psychotische Symptome im Vordergrund stehen, kann der erste Schritt sehr verschieden sein. Wichtig ist aber, sich lieber einmal zu viel als einmal zu wenig Hilfe zu suchen!

Wenn Sie genaue Informationen zur Früherkennung von Psychosen wollen, besuchen Sie unsere Website „Psychosen früh erkennen“

Wenn Sie Kontakt zu einem Früherkennungszentrum aufnehmen wollen, klicken Sie auf folgenden Link und suchen sich ein Zentrumin Ihrer Nähe „Hilfen finden“

Die Situation der Angehörigen

Hinweise zur gesetzlichen Betreuung

Angehörige müssen damit rechnen, dass von dritter Seite, oft von Kliniken, für ihre erkrankten Familienmitglieder eine Betreuung beantragt wird. Vielfach werden Angehörige nicht informiert und nicht einbezogen. Angehörigen sind in der Regel weder ihre eigenen Rechte bekannt noch wissen sie, welche weitreichenden Folgen die Einrichtung einer Betreuung haben kann.

Die Begriffe „Betreuung” und „Betreuer” werden in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet. Dies kann zur Verwirrung führen.

Gesetzlicher Betreuer: Er wird vom Gericht eingesetzt und hat die Aufgabe, sich um alle Angelegenheiten zu kümmern und die Geschäfte zu besorgen, die der Betreute nicht allein regeln kann. Die Bestellung des gesetzlichen Betreuers ist durch das Gesetz geregelt. Es gibt ehrenamtliche Betreuer, wie z. B. Angehörige oder Berufsbetreuer.

Sozialer Betreuer: Es handelt sich um Mitarbeiter in psychosozialen Einrichtungen oder ambulanten Diensten, z. B. im Wohnheim oder im betreuten Wohnen. Der soziale Betreuer hat keinerlei rechtliche Befugnisse. Er leistet Unterstützung bei der praktischen Alltagsbewältigung.

Gesetzliche Betreuung wird bei der Betreuungsstelle des zuständigen Amtsgerichtes angeregt. Die Betreuungsstelle soll den Sachverhalt als Grundlage für die richterliche Entscheidung klären. Die letzte Entscheidung, ob eine Betreuung eingerichtet wird oder nicht, trifft ein Richter/in. Angehörige haben ein Recht, in diesen Prozess einbezogen zu werden, dies ergibt sich aus einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahre 2006. Angehörige sollten darauf bestehen, dass die Klinik sie einbezieht, wenn die Absicht besteht, eine Betreuung anzuregen. Angehörige haben das Recht, vor Gericht angehört zu werden.

Eine allgemeingültige Antwort auf die Frage, ob Angehörige sich darum bemühen sollen, mit der Betreuung eines psychisch kranken Familienmitgliedes betraut zu werden, kann wohl nicht gegeben werden. Es muss die individuelle Familiensituation sorgfältig bedacht werden. Falls dem Wunsch der Familienangehörigen, als Betreuer bestellt zu werden, nicht gefolgt werden soll, sind die Gründe konkret und bezogen auf den vorliegenden Fall darzulegen. Das Gericht fordert u. U. eine Stellungnahme des behandelnden Arztes. Wenn der behandelnde Arzt sich gegen die Bestellung von Angehörigen zum Betreuer ausspricht, sollten Angehörige pauschale Formulierungen wie „mangelnde Distanz", „zu große Nähe” nicht akzeptieren.

Ausführliche Information zur gesetzlichen Betreuung und verwandten Themen, z. B. Erteilen einer Vollmacht, Patientenverfügung oder Betreuungsverfügung, sind im Internet zu finden. Als Beispiel sei die Internetseite der Stadt Hamburg genannt, oder www.hamburg.de, auf der Starseite findet sich eine Suchfunktion, hier das Stichwort „ Betreuung” eingeben.

Spezielle Probleme

Datenschutz als Vorwand?

Nicht selten werden Angehörige, die selbst in Not sind, mit dem Hinweis abgewiesen, man sei als Arzt oder Therapeut zur Loyalität verpflichtet und könne nur einer Seite dienen. Das ist insoweit verständlich, als keine Gespräche hinter dem Rücken des Patienten geführt und keine Insider-Informationen weitergegeben werden dürfen. Doch darum geht es den Angehörigen gar nicht.

In der Regel dient ein rechtzeitig und dialogisch geführtes Gespräch der Entlastung aller Beteiligten – einschließlich des Therapeuten.
Denn so ist es am leichtesten möglich, unnötige Verwicklungen aufzulösen und realistischer gemeinsam tragbare Ziele zu stecken.

Zu verhindern, dass die Verwirrung „um sich greift“ und gleichzeitig die individuellen und familiären Ressourcen zu stabilisieren, ist das Anliegen aller. Wieder halbwegs gelassen miteinander zu kommunizieren, kann nach einer akuten Psychose schwierig sein. Es wieder zu lernen, hilft sehr auf dem Weg der Stabilisierung.
Dass dabei beide Seiten Hilfen brauchen können, steht außer Frage. So ist für einen versierten Therapeuten vorranig zu prüfen, ob alle Seiten gerademehr von der gleichzeitigen odervon einer getrennten Gelegenheit profitieren.


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