Wichtiges für Angehörige

Wie erleben Kinder psychotische Phasen?

Eine Psychose ist für mich (wie)...

  • „Als Kind bin ich sehr stark auf Distanz gegangen zu meiner Mutter, brauchte Schutz. Es war abgründig für mich, zu erleben, dass meine Mutter gar nicht präsent ist. Ich habe genau mitbekommen, wie die Depression allmählich kam. Ich kannte den Ablauf später ganz genau, habe mir dann gedacht: Gott sei Dank, jetzt ist sie nur noch 14 Tage hier, dann ist sie in der Klinik. Als Kind habe ich meine Mutter manchmal genommen, sie geschüttelt, habe nicht begriffen, was mit ihr los ist. Irgendwann war mir klar, dass ich nichts mehr für sie tun kann. Sie war dann nicht mehr ansprechbar. Und ich war irgendwann nur froh, wenn sie nicht mehr da war.”
  • „Vor meinen Freundinnen habe ich die Mutter versteckt. Sie war so unberechenbar. Zugleich habe ich sie sehr extrem geliebt. Manchmal, wenn ich mit ihr allein war, hatte ich das Gefühl, ich könnte sie erlösen. Ich dachte: Ich muss nur das richtige Wort finden, muss dahinter kommen, was mit ihr los ist. Ich hatte ein tiefes Bedürfnis, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Bei uns wurde viel gelesen, insofern dachte ich wohl, dass es um ein richtiges Wort gehen könnte. Exzessiv habe ich auf sie eingeredet, bis meine Ohnmacht unübersehbar war.”
  • „Meine Mutter war sehr charmant und großartig, wenn sie gesund war. Doch die plötzlichen Umschwünge führten dazu, dass es später keine Freunde mehr gab. Als sie krebskrank wurde, veränderte sie sich. Sie begann, mit dem Leben zu kämpfen, und die Phasen wurden schwächer. Alles in allem kann ich sagen, dass ich sehr früh als Kind schon Mutter für meine Mutter war. Ich wurde sehr früh erwachsen so, und es war durchaus auch ein erhabenes Gefühl. Meine eigenen Defizite habe ich erst viel später gesehen. ”
  • „Meine Eltern haben eine schreckliche Ehe. Meine Mutter macht jetzt Dinge, die sie früher als unmoralisch empfunden hätte. Sie setzt sich über alles hinweg. Inzwischen weiß ich, dass sie nie so gelebt hat, wie sie hätte leben müssen. Sie war zutiefst unglücklich im Gefängnis Ehe, mit vier Kindern, ohne Beruf, im letzten Haus im Gebüsch. Als ich zehn Jahre alt war, habe ich zu meinen Freundinnen gesagt, sie ist eine Hexe. Erst später begann ich sie zu verstehen und habe mich auch um sie gekümmert. Mein Vater hat die Mutter nie ernst genommen und gleichzeitig nie Grenzen gesetzt.”

(Quelle: T. Bock, StimmenReich, Balance – Buch und Medien Verlag)

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